Überbehaarung und das Wechselspiel der Hormone
Dauerhafte Haarentfernung?
Eine ausgeprägte Überbehaarung lokal oder generalisiert über den ganzen Körper kann für die Betroffenen eine starke seelische Belastung sein, die sogar zu sozialer Isolation führen kann. Entscheiden sie sich für eine dauerhafte und permanente Haarentfernung in einer Fachpraxis durchführen zu lassen, steht vor Behandlungsbeginn eine Anamneseerhebung, um z.B. die hormonelle Situation abzuklären. Durch Störungen in der Synthese von Progesteron, Östrogenen und Androgenen kann es zu typischen Vermännlichungserscheinungen bei der Frauen kommen.
Es muss festgehalten werden:
- Verteilung und Ausbreitung des vermehrten Haarwuchses
- Haar- und Hauttyp
- Dauer der Veränderung
- Familiärer Hintergrund
- Grundleiden
- begleitende Symptome
- Schwangerschaften und Fehlgeburten
- Operationen
- Zyklusanomalien
- Hormonelle Situation
- Funktion der Schilddrüse
- Infertilität
- Übergewicht
- Veränderung der Stimmlage
- Haarausfall
- Medikamente - Arzneimittelnebenwirkungen, hochdosierte Steroidtherapie
- Tumore
- Diabetes
Besteht der Verdacht einer inneren Erkrankung, muss eine enge Zusammenarbeit mit einem Hormonspezialisten und Frauenarzt angeraten werden.
Ursachen für eine hormonunabhängige Überbehaarung:
- Angeboren
- Lokale Traumata
- Narben
- Hautirritationen durch zupfen und rasieren
- Psychische Belastung
- Familiäre Disposition oder ohne erkennbaren Grund
- Südländerinnen
Es ist bekannt, dass aufgrund einer seelischen Belastung die Menstruation ausbleiben kann. Bei der Nebenniere kann die Ausscheidung durch Wut und Angst, psychische Belastung, Schock und Sorgen erhöht werden.
Die Überbehaarung bei Südländerinnen hat oft keinen gesundheitlichen Grund.
Hormonelle Störungen in den Eierstöcken bei der Frau:
- Polyzystische Ovar - PCO
- Androgen produzierende Eierstocktumore
- Wechseljahre
PCO
Das Polyzystische Oval-Syndrom (PCO oder auch Stein-LeventhalSyndrom genannt) ist die häufigste Ursache im Eierstock, die eine Überbehaarung auslösen kann. Durch funktionelle Störungen, aber auch durch krankhafte Veränderungen (polyzyklisches Ovarsyndrom, PCO) kann es im Eierstock zur Vermehrung von männlichen Hormonen kommen.
Typische Erscheinungen sind Menstruationsstörungen, bei nicht vorhandenem Eisprung, Unfruchtbarkeit, Überbehaarung, Übergewicht und beidseitigen polyzystischen Eierstöcken, die dann zu den bekannten Hautveränderungen wie fettige Haut, Akne, Überbehaarung etc. führen.
Wechseljahre
Aber auch das Versiegen der weiblichen Hormonproduktion in den Wechseljahren führt zu einer Hormonverschiebung und einem relativen Übergewicht der männlichen Hormone mit entsprechenden Veränderungen.
Seltener kommen Eierstocktumore vor.
Hormonelle Störungen in der Nebennierenrinde bei der Frau:
- Adrenogenitale Syndrom (AGS)
- Nebennierenrindentumore
AGS
Das Adrenogenitale Syndrom (AGS) ist durch einen Enzymdefekt verursacht. Es wird vermindert Kortisol in der Nebenniererinde produziert. Letztendlich steigen dadurch die ACTH-Produktion und auch die Produktion von männlichen Hormonen an. AGS manifest sich in der Kindheit. Es kommt zu Knochen- und damit Wachstumsstörungen. Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr kommt es schon zur Entwicklung der Schamhaare und der Haare in den Achseln. Um das zehnte Lebensjahr entwickelt sich schon der Stimmbruch. Es kommt zu keiner Brustentwicklung.
Wenn vermehrter Haarwuchs innerhalb kurzer Zeit einsetzt und Vermännlichungserscheinungen und Zyklusstörungen dazukommen, muss ein androgenproduzierender Tumor (Eierstock, Nebenniere) ausgeschlossen werden.
Hormonelle Störungen außerhalb der Drüsen:
- Umwandlung von schwächeren in stärker wirksame männliche Hormone, direkt in der Haut an den Haarfollikel und Talgdrüsen
- Beim HAIR-AN-Syndrom liegt die Ursache der Überproduktion der männlichen Hormone in einer zu geringen Anzahl oder Aktivität der Insulinrezeptoren, was zu zuviel Insulin führt. Diese bewirkt eine vermehrte Produktion von männlichen Hormonen.
Betroffene, die sich einer dauerhaften Haarentfernung unterziehen wollen, sollten bei Verdacht einer dieser Krankheiten eine Labordiagnostik bei einem Hormonspezialisten durchgeführt lassen:
- Hormonstatus
- Freies Testosteron
- Dehydroepiandrosteronsulfat
- 17-OH-Progesteron
- sexualhormonbindendes Globulin
- Prolaktin
- Nüchternkortisol
- ACTH-Test
- Nüchternblutzucker,
- Glukosetoleranztest
- Und andere
Gleichzeitig sollte ein Frauenarzt zu Rate gezogen werden:
- Ultraschall
- Und wenn noch nötig Magnetresonanz und/oder Computertomographie
Nicht immer muss man diese ganzen Untersuchungen durchführen lassen, wenn es keinen Grund gibt. Bei einer Überbehaarung fallen doch die meisten Untersuchungen ohne Ergebnis aus. Auf dieser Basis kann man eine Therapie zur dauerhaften und permanenten Haarentfernung in einer Fachpraxis beginnen. Je nach Haartyp und Hauttyp werden die Elektro-Epilation und/oder die Elos-Epilation eingesetzt.